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‚Wir müssen reden‘ – Aber nicht mit jedem!

März 23, 2017

Sie ist bekannt als eine Journalistin mit Haltung. Gegen Rechts, gegen Ausgrenzung, gegen die einfache Wahrheit. Mit ihrer klaren Positionierung ist Dunja Hayali eigentlich Ziel der Hetze von Rechts. Feindbild der Leser der Wochenzeitung ‚Junge Freiheit‘. Mutig, jetzt dieser Zeitung ein Interview zu geben –  meiner Meinung nach eine falsche Entscheidung. Umsatzsteigernde Interviews mit neurechten Publikationen sind meiner Meinung nach nicht der richtige Weg des Dialogs.


Natürlich ist der Inhalt des Interviews noch nicht klar. Es ist davon auszugehen, dass Hayali nicht plötzlich ihre Haltung geändert hat und weiter für Toleranz einsteht. In den vorab veröffentlichten Interviewteilen wird Hayali zitiert mit: ‚Wir müssen reden‘. Sie kritisiert den Umgang der Journalisten mit der Ernennung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten – Haltung sei gut, Parteilichkeit nicht. Demokratie könne nicht nur aus der Mitte bestehen und die Meinung der Anderen müsse ausgehalten werden. Alles Werte, die ich unterstütze.

Quelle: twitter

Diese Werte sind aber nicht offensichtlicher Teil der Wochenzeitung ‚Junge Freiheit‘. Die Zeitung gibt sich den Anstrich einer kritisch-konservativen Zeitung und versucht sich abzugrenzen von zum Beispiel der ‚Compact‘,  die als extreme Stimme der neurechten Szene gilt. Trotzdem, im Kern vertritt die ‚Junge Freiheit‘ ähnliche Werte. Lange Zeit hatten die Verfassungsschutzbehörden ein Blick auf die Zeitung. Welchen Sinn es hat,  denen ein Interview zu geben, erschließt sich mir nicht. Zumal es für Hayali keinen Verpflichtung dazu gibt –  anders als bei Behörden, die jegliche Presseorgane gleich behandeln müssen.

Auf Twitter erlebt Hayali gerade einen Shitstorm, den sie wie eine Frau erträgt. Sie antwortet auf viele sachliche Kritikpunkte, setzt sich mit Ihren Followern auseinader. Eine sachliche Diskussion mit den Anhängern der ‚Jungen  Freiheit‘ ist weniger möglich.  Hayali betont selbst, dass sie viele Menschen geblockt hat oder blocken muss – Was bringt also die Ansprache in dieser Zeitung? Und ein Kernargument der Kritiker des Interviews, warum die engangierte Kämpferin für Humanismus für dieses Blatt wirbt, beantwortet sie sie nicht befriedigend.

Quelle: Twitter @dunjahayali

Natürlich darf Hayali reden, mit wem sie will. Aber Werbung für ein Blatt zu machen, dass der neuen Rechten nahe steht, hat in der Form für mich keinen Sinn. Sinnvoll wäre es vielleicht ein Interview VON Hayali MIT dem Chefredakteur der ‚Jungen Freiheit‘ – beim ZDF. So wäre es möglich, die Macher mit ihrem menschenfeindlichen Menschenbild zu konfrontieren.

Soll ich jetzt die Zeitung kaufen und die ‚Junge Freiheit‘ unterstützen? Ich werde es nicht übers Herz bringen. Wir müssen reden, ja, aber nicht überall und nicht mit jedem!

 


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Carsten Janz
Journalist, Blogger & Dozent