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TEIL 2: Das rote Band – Afd Parteitag in Henstedt-Ulzburg

Oktober 18, 2016

Während von Storchs Rede kam plötzlich Unruhe am Eingang des Saales auf. Ungefähr 8 Polizisten kamen in Schutzkleidung in den Raum und sprachen mit Julian Flak, Mitglied des AfD-Bundesvorstandes. Uns war bekannt, dass es im Vorfeld des Parteitages auch Drohungen gegen die Partei gab. Und so habe ich entschieden, doch einmal zu schauen was da los ist. Die Polizei war schon wieder auf dem Weg nach draußen, als ich auf dem Gang angesprochen wurde, ob der ‚komische Kerl‘ zum NDR gehören würde. Ich war mir nicht sicher, wer gemeint war und wurde von einem Parteimitglied dann vor die Tür des Bürgerhauses gebracht. Dort fand ich unseren Kameraassistenten umringt von Polizisten.

„Sah nach linker Szene aus“

Das rote Band

Die Polizei teilte mir dann mit, dass die Security der AfD unseren Assistenten rausgeführt habe. Er sah ihnen zu sehr nach ‚linker Szene‘ aus und stellte deshalb eine Gefahr da. Er trug sein rotes Band nicht. Das lag daran, dass das Bürgerhaus am Anfang des Parteitages durch mehrere Eingänge begehbar war. Nicht jeder Pressevertreter kam an der Akkreditierung vorbei. Leider ein Versäumniss von uns Autoren, dass wir ihn nicht schon ganz am Anfang darauf hingewiesen hatten – aber uns war es nicht aufgefallen.

Parteitag unter Polizeischutz

Die Entscheidung der Security, unseren Assistenten lieber zur Polizei zu führen, als  zu uns NDRlern hat uns aber schon sehr verwundert. Journalisten anderer Medien sagten uns, dass sie so etwas bei Parteitagen anderer Parteien noch nie erlebt hätten. Ich war auf jeden Fall schwer irritiert. Spätestens als der selbe Mitarbeiter der Security zu seinem Kollegen sagte: „Na, alles OK? Oder hast Du schon 3 Leute verprügelt?“ Er wusste, dass ich daneben stehe, ich nahm es als bewusste Provokation und Anspielung wahr.

Wolfgang Krause aus ‚Preußischem Elternhaus‘

Als es dann um 18 Uhr mit den Bewerbungen für die Listenplätze losging,  trat nur der spätere Spitzenkandidat Jörg Nobis an. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Nach der Bewerberrede hob nämlich noch ein AfD Mitglied den Arm. Er wolle auch noch für Listenplatz 1 antreten. Zum Hinweis eines anderen AfDlers, dass die Bewerberliste ja schon geschlossen sei, sagte das Präsidium, dass sie genau das versäumt hätten. Es gab also noch einen zweiten Bewerber.

Wolfgang Krause hieß er, „aus einem preußischem Elternhaus“, wie er stolz feststellte. Mehrere Jahrzehnte habe er im Verfassungsschutz gearbeitet,  täglich politische Einflußnahme bei seiner Arbeit erlebt. Der Staat habe unliebsame Erkenntnisse unterdrückt. Und dann passierte es. Er sprach als Erstes klar aus, was anscheinend alle im Raum dachten: „Es gibt eine schleichende Islamisierung in Deutschland.“ Er hätte einen ganzen Ordner an Maßnahmen, die er umsetzen würde, wenn er im Landtag sei. Er hob einen prall gefüllten Leitzordner in die Höhe. Applaus für den ungeplanten Bewerber. Wahrscheinlich wurde Jörg Nobis,  der sich in seiner Rede weitgehend neutral hielt, an dieser Stelle ein bisschen nervös.

„Sie haben wahrscheinlich nicht gedient“

Als Wolfgang Krause dann von seinen Verdiensten in der Bundeswehr berichtete musste ich leider etwas zu laut in mich rein schmunzeln. Das bewog meinen, von Krauses Rede begeisterten, Sitznachbarn zu einem bekannten Satz: „Sie haben bestimmt verweigert“. Richtig. Ich habe Zivildienst gemacht. Das verkniff ich mir aber. Krause bekam mehr als 20 Stimmen.

Achille Demagbo

„Wir müssen die Grenzen schließen“

Realsatire wurde es meiner Meinung nach, als sich Achille Demagbo für den Listenplatz 2 bewarb. Demagbo stammt nach eigener Aussage aus Afrika, ist selbst vor 13 Jahren nach Deutschland gekommen. Das betonte er in seiner Rede. Er war bis dato der engagierteste Redner. Mit Einsatz der Arme, Beine, mit lauter Stimme und Geschrei. Er ist Dolmetscher für Französisch und Deutsch, redete ziemlich undeutlich, so dass ich Schwierigenkeiten hatte ihm zu Folgen. Nur eines habe ich laut und deutlich verstanden: „Wir müssen die Grenzen schließen“. Auch damit stieß er viel mehr auf Zustimmung als der scheinbar gemäßigte Jörg Nobis. Trotzdem wurde Demagbo nicht gewählt. Der kritische AfDler neben mir kommentierte seinen Auftritt mit den Worten: „Aha. Ein Afrikaner also“.

Am Ende wurde das Ergebnis der Wahl um den Spitzenplatz bekannt gegeben. Jörg Nobis gewann.  Deutlich. Er wolle in den ‚Finanzausschuss‘  des Landtages, sagte er, denn mit Zahlen kenne er sich als ’nautisch-technischer‘ Sachverständiger aus. Den Namen der aktuellen Finanzministerin kannte er nicht. Der Wahlleiter wies nach der Wahl von Nobis nochmal darauf hin, dass es außergewöhlich viele ungültige Stimmen gegeben habe, weil die Zettel von den Parteimitgliedern nicht richtig beschriftet worden sein sollen. Er bat alle um mehr Konzentration, sie sollten sich besser mehr Zeit nehmen. Scheinbar haben sich das alle sehr zu Herzen genommen.  Von den 25 Listenplätzen, die gewählt werden sollten, schaffte die Partei nur 9. Anfang des kommenden Jahres soll es einen weiteren Parteitag geben, um die restlichen Plätze zu besetzen.  Ob ich mir den nächsten Parteitag antun werde weiß ich noch nicht.

Denn am Ende hat sich nur eines gezeigt: Alles was über die AfD berichtet wird stimmt. Und teilweise ist es sogar noch heftiger.

DER FILM FÜR DAS SCHLESWIG-HOLSTEIN MAGAZIN:

TEIL 1


Comments

  1. Miriam Winter - April 2, 2017 at 8:40 am - Antworten

    Sorry für die Verspätung um mehr als ein Jahr, aber einen „Dschurnal“isten des Namens Carsten Janz hatte ich bisher nicht auf meiner GEZ-Wahrheitsmedien-watchlist, und leider bin erst jetzt durch die kämpferische Vera Lengsfeld auf dieses so ergeizig nachschießende, weil bisher noch freiberufliche Unterholz des Öff-rechtl-Propaganda-Dickichts aufmerksam geworden :
    Also, Klein-Garstig, Ich schlage dringend eine Titeländerung vor:
    ‚Was ich wieder so am Wochende (wie immer mit meinem NDR-Presse-Ausweis zusammen) an Heiterem erlebt habe und wie mir das meine schönsten Gemeinplätz bestätigt und prompt meine angesagtesten Dschurnalismus-Weisheiten wiedermal abgefordert hat, und womit ich wohl meiner Zwangsgebühren-Staatskneterente wiedermal um einige Kampfgegenrechts-Umdrehungen nähergekommen und dem Freiberuflerstatus entronnen sein dürfte, – ein Schulerlebnisaufsatz.‘


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Carsten Janz
Journalist, Blogger & Dozent